Sophienpark

Die Benennung des neuen Sophienparks im Wiener Bezirk Neubau stellt ein bewusstes Beispiel moderner Erinnerungspolitik dar. Der Park ist sieben Frauen gewidmet, die den Namen „Sophie/Sofie“ tragen und in diversen historischen Kontexten gewirkt haben: Sophie von Bayern, Sofie Grünfeld, Sophie Szecsi, Sophie Leifhelm, Sophie Schick, Sophie Vitek sowie Sophie Freud. 

Die Auswahl dieser Persönlichkeiten verdeutlicht die Vielfalt weiblicher Lebensrealitäten in der Geschichte Wiens – von Adel und politischem Einfluss über Bildung und soziales Engagement bis hin zu Widerstand gegen das NS-Regime und wissenschaftlicher Tätigkeit.

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Eine solche Form der Widmung entspricht zudem zentralen Grundsätzen der Kultur- und Erinnerungspolitik im Bezirk Neubau. Ein wesentliches Ziel ist es, die historische Unterrepräsentation von Frauen im öffentlichen Raum auszugleichen. Während Straßen, Plätze und Denkmäler traditionell überwiegend nach männlichen Persönlichkeiten benannt wurden, setzt Neubau bewusst auf eine stärkere Sichtbarkeit von Frauen und ihren Leistungen. Der Sophienpark ist somit nicht nur eine für Erholung und Freizeit nutzbare Grünfläche, sondern auch ein symbolischer Ort, an dem Geschichte neu erzählt wird.

 

Darüber hinaus verfolgt die Erinnerungspolitik im Bezirk einen pluralistischen Ansatz. Anstatt eine einzelne ‚große‘ Persönlichkeit zu ehren, werden mehrere Biografien nebeneinandergestellt. Der Park fungiert somit als kollektives Denkmal, das ein vielschichtiges Geschichtsbild ermöglicht und unterschiedliche soziale Hintergründe und historische Erfahrungen umfasst. Besonders deutlich wird dies in der Einbeziehung von Opfern und Widerstandskämpferinnen des Nationalsozialismus, wie Sophie Leifhelm oder Sophie Vitek sowie von Vertreterinnen jüdischen Lebens, wie Sophie Szecsi. Erinnerung wird hier als kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verstanden, die auch Brüche, Verfolgung und gesellschaftliche Verantwortung sichtbar macht.

Ein weiteres zentrales Merkmal ist die Verbindung von Erinnerung und Alltag. Der Sophienpark ist kein klassisches Denkmal, sondern ein öffentlich genutzter Raum. Menschen begegnen der Geschichte somit nicht nur bewusst, sondern auch beiläufig im täglichen Leben. Diese Integration von Erinnerung in den urbanen Alltag entspricht einem modernen Verständnis von Gedenkkultur, das weniger auf monumentale Formen als auf kontinuierliche Präsenz setzt.

Die Widmung des Sophienparks widerspiegelt somit die Leitprinzipien der Neubauer Kultur- und Erinnerungspolitik: die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit, die Anerkennung historischer Vielfalt, die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit sowie die Verankerung von Erinnerung im öffentlichen Raum. Der Park wird damit zu einem Ort, an dem nicht nur Erholung, sondern auch historisches Bewusstsein und gesellschaftliche Werte vermittelt werden.

Die Auswahl der Persönlichkeiten erfolgte in Zusammenarbeit mit Petra Unger, ihr sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Die geehrten Frauen − Kurzvitae und Verweise zu Quellen:

Sophie von Bayern
Erzherzogin aus dem Haus Habsburg und Mutter von Kaiser Franz Joseph I.. Sie galt als politisch einflussreich im Hintergrund des Wiener Hofes. Das frühere Sophienspital in Wien wurde nach ihr benannt. 

Magistrat der Stadt Wien. (o. J.). Sophie von Bayern. Wien Geschichte Wiki. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sophie_von_Bayern
Wikipedia. (o. J.). Sophie Friederike von Bayern. https://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Friederike_von_Bayern

Sophie Freud
Enkelin von Sigmund Freud. Sie emigrierte in die USA und wurde dort Psychotherapeutin, Sozialpädagogin und Autorin. In ihren Arbeiten setzte sie sich kritisch mit der klassischen Psychoanalyse ihres Großvaters auseinander und entwickelte eigene sozialkritische Perspektiven. 

Wikipedia. (o. J.). Sophie Freud. https://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Freud
Freud, S. (1988). My Three Mothers and Other Passions. New York: New York University Press.

Sofie Grünfeld
Bekannt als Wohltäterin und Förderin sozialer Projekte. Sie gründete unter anderem eine Mädchenschule und engagierte sich stark für Bildung und soziale Unterstützung.

Magistrat der Stadt Wien. (o. J.). Sofie Grünfeld. Wien Geschichte Wiki. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sofie_Grünfeld

Sophie Leifhelm
Schriftstellerin und Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime. Ihr Engagement machte sie zu einer bedeutenden, wenn auch weniger bekannten Figur des österreichischen Widerstands.

Magistrat der Stadt Wien. (o. J.). Sophie Leifhelm. Wien Geschichte Wiki. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sophie_Leifhelm
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). (o. J.). Widerstand und Verfolgung in Österreich 1938–1945. https://www.doew.at

Sophie Schick
Lehrerin und Historikerin, die sich mit Bildungsarbeit und historischer Forschung beschäftigte. Sie trug zur Vermittlung von Geschichte an jüngere Generationen bei.

Magistrat der Stadt Wien. (o. J.). Sophie Schick. Wien Geschichte Wiki. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sophie_Schick

Sophie Szecsi
Buchhändlerin und Betreiberin einer Leihbücherei. Sie gehörte zu den vielen jüdischen Kulturschaffenden Wiens, deren Leben und Arbeit durch die Zeit des Nationalsozialismus zerstört wurden.

Magistrat der Stadt Wien. (o. J.). Sophie Szecsi. Wien Geschichte Wiki. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sophie_Szecsi

Sophie Vitek
Postangestellte, später auch als Historikerin tätig. Während der Zeit des Nationalsozialismus engagierte sie sich im Widerstand. Über ihr späteres Leben ist vergleichsweise wenig bekannt, was sie zu einer eher im Hintergrund gebliebenen, aber dennoch wichtigen Zeitzeugin macht.

Magistrat der Stadt Wien. (o. J.). Sophie Vitek. Wien Geschichte Wiki. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sophie_Vitek

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Kulturbezirk Neubau – Kunst und Kultur im 7ten

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